Egmont Friedl: Mit der Leisure 17 von Genua nach Gran Canaria

Durch Zufall stiess ich beim Stöbern auf Egmont Friedl, einen erfahrenen Skipper, Buchautor und Bootsbauer aus Waakirchen nahe des Tegernsees. Im Jahr 2009 segelte Friedl mit „Maverick“-Skipper Johannes Erdmann von New York nach Lissabon. Auf der sehr informativen Webseite von Egmont ist auch von einer Leisure 17 die Rede, mit der er 1993 einhand von Genua bis nach Gran Canaria segelte. Exklusiv auf dem Leisure17-Blog: Logbuch-Auszüge und Fotos von diesem Mittelmeer-Törn. Was Friedl von der Leisure hält, lest Ihr hier.

Vorwort von Egmont Friedl

Im Sommer 1992 hatte ich eine Fahrt mit meiner kleinen 3,70 Meter ZEF Jolle entlang der Mittelmeerküste von Genua bis Barcelona unternommen. Danach erschien mir nichts faszinierender als ein Kielboot, das nicht ständig vorm Kentern bewahrt werden muss, bei dem man einen Autopiloten einbauen kann und das Boot alleine segeln lassen kann. Da könnte ich ja super-bequem kochen, mich hinlegen, schlafen, und ohne Pause immer weiter segeln! Diese Vorstellung war ungeheuer reizvoll. Wie lange ich wohl dann für die gleiche Strecke brauchen würde?

Meine Wahl fiel schließlich auf eine Leisure 17, die ich für 4.000 Mark irgendwo bei Heilbronn kaufte. Ich hatte von Rollo Gebhards Abenteuern mit einer Caprice gelesen, und da erschien mir die Leisure 17 doch auch ganz geeignet. Ich wusste, dass John Adam und angeblich noch ein oder zwei andere mit diesem Boot über den Atlantik gesegelt sind. Der Yacht-Testbericht hörte sich auch nicht schlecht an und so stand bald MER II in meinem Schwabinger Hinterhof.

Mein Plan war mit diesem Boot zum ersten Mal in den Atlantik zu segeln, vielleicht nach Senegal oder Gambia, oder ganz rüber? Wahrscheinlich nicht – mal schauen…

Als erstes verstärkte ich den Niedergang. Die dünnen Holz- Steckschotte wurden durch 10mm starkes, getöntes Plexiglas ersetzt. Beiderseits des Niedergangs kamen dünne Sperrholzplatten an den Aufbau. Zwei kleine Sichtluken nach oben ins Rigg schnitt ich ebenfalls in den Aufbau und verschraubte sie mit starkem Plexiglas. Dann kam eine neue Rollreffanlage an Bord. Unter Deck verschraubte ich eine Spezialbatterie mit 55Ah von Sonnenschein, ich installierte einen ST4000 Autopiloten und speiste die Anlage aus einer großen, flexiblen Solarzelle ohne irgendwelche Regler. Zu der völlig wasserdicht gekapselten Elektrik gehörte noch eine rote Kompassbeleuchtung, eine selbstgebaute Halogen- Topplaterne (schön hell) und eine kleine Deckenlampe im Inneren. Nie gab es irgendwelche Probleme, ich hatte immer Strom im Überfluss…

Zum Kochen baute ich eine mobile Box aus Aluminium, die ich auch mal vor Anker liegend ins Cockpit hinaus stellen konnte. GPS war noch ungeheuer teuer und so kam ein Plastiksextant von Davies samt den ganzen umfangreichen Tafeln und Tabellen an Bord. Die Abteilung Seekarten und Nachschlagewerke fiel sträflicherweise sehr spartanisch aus, was ich später noch bereuen sollte. Zur Sicherheit hatte ich aber eine Rettungsinsel günstig erhalten können, auch zwei große, aufblasbare Luftsäcke hatte ich unter Deck, um das Boot gegebenenfalls unsinkbar machen zu können.

Im Sommer 1993 brachte ich MER II nach Genua in Italien, das Boot wurde dort per Gabelstapler zu Wasser gelassen, ich fuhr nochmal mit dem Trailer zurück und dann mit dem Zug wieder nach Genua. Meine Wohnung hatte ich vorübergehend vermietet und ein bißchen Geld hatte ich auch noch übrig, es konnte losgehen!

Aus dem Logbuch der MERII

12.7.1993 Genova 09.45 Uhr  763mb
Werde jetzt die Leinen loswerfen. Der Motor muss noch anspringen. Schönes Wetter, bin doch aufgeregt.

17.30Uhr  764 mb
Vor Anker bei  Vado Ligure. Launisches Wetter. Die letzten Stunden Sonne und starker Gegenwind. Es gibt zum Teil noch sehr hohe alte Dünung. Alles klappt eigentlich sehr gut. Ich habe den Autopilot kompensiert, er arbeitet einfach wunderbar. Genauso der Motor. Ich verwende ihn zwischendurch recht oft. Die letzten 1,5 Stunden seit Savona mit Motor gegen einen 5-6er Wind mit Wellen flott angeboxt. Deshalb bin ich auch erstmal hier. Von der Gischt doch etwas naß und kalt und voll Salz.

13.7.1993 Auf See vor San Remo  11.05 Uhr  768 mb
Gegenwind. Aufkreuzen unter Autopilot. Ich bin die ganze Nacht gesegelt, bei wechselnden Winden. Im Moment wieder Gegenwind. Alles ok, aber ich habe die ganze Zeit einen flauen Magen. In der Nacht nur gedöst. Um 16 Uhr Grenze nach Frankreich passiert. Leichter Wind aus SW.

14.7.1993
Bin wieder die Nacht durchgesegelt und liege mittags bei Tahiti Plage hinter St. Tropez vor Anker. Ich schlafe im Boot und bin kurz am Strand. Ich bin aber nicht besonders müde. Um 20.00 lege ich ab. Die Nacht über ist kaum Wind, so dass ich die Segel reffe und mich treiben lasse. Am Morgen des 15.8. bin ich gerade an Cap Benat vorbei. Immer noch kaum Wind, dann aber mit Motor in eine kleine Ankerbucht auf der Presqu’île de Giens. Ganz geruhsam hier. Schönes Wetter, kein Wind, leichter Sonnenbrand, und das Wasser kommt mir ziemlich kalt vor.

15.7.1993 19:45 Uhr 766mb
Es geht weiter, aber der sehr leichte Wind hält nur bis ca. auf die Höhe von Toulon. Der Himmel bezieht sich, die Küste ist in dickem Nebel nur schlecht zu erkennen. Mit Motor rund Cap Sicié. Kurz wieder Wind, jetzt scheint auch die Sonne. Und wieder vorbei, ich treibe Richtung Küste (Bandol). Stimmung noch gut.

Die ganze Nacht flappende Segel. X-mal gerefft und wieder gehisst. Diese Geräusche bringen mich in den Wahnsinn (naja, aber in die Richtung). Der Wind ist so schwach, dass die Segel nicht voll bleiben, sondern durch die Schaukelei ständig schlagen. Die meisste Zeit lasse ich mich treiben.

16.7.1993  8:10 Uhr, 768mb
Jetzt am morgen bin ich wieder guter Laune. Mit Rückenwind (ausgebaumt, Schmetterling) geht es an der bekannten Steilküste entlang. Ich habe gerade die Bucht von Cassis außen gequert. Das Vorankommen ist so wichtig fürs Wohlfühlen!

16.7.1993  17.40 Uhr 768mb
Bis jetzt gut weitergekommen. Mit kräftigem Rückenwind über die Rade de Marseille. Als es für kurze Zeit abflaut, setzte ich die alte leichte Genua. Mit Erfolg, sie schlägt nicht und bringt guten Vortrieb, Aber 10 Minuten später ist der Wind zurück. Mit knapp 6 Bft in den Golf de Fos und ziemlich gleich rüber. Ich musste eine 8A-Sicherung wechseln, nachdem ich beim Messen der Bordspannung an der Eingangsbuchse (für Solar) in der Schaukelei einen Kurzen gebaut hatte. Keine Probleme.  Jetzt bin ich schon hinter der Rhône-Mündung und habe einen Kurs gut frei von Land abgesteckt, der mich aber nahe genug an den Leuchtturm Faraman bringen soll. Der Autopilot steuert.

Als ich an Monte Carlo vorbeizog sah ich noch so aus, doch wenig später griff ich beherzt zu Schere und Rasierklinge – ein Spiegel war nicht an Bord…

16.7.1993  23.35 Uhr 768mb
Der Wind nahm ab, das Meer wurde fast ganz glatt und mit Schmetterlingssegeln in den Sonnenuntergang in der Bucht von St. Maries. Es ist 22 Uhr, und ich suche vergeblich nach Leuchtfeuern in meinem Rücken und vorraus. Nichts zu entdecken. Ich wundere mich sehr. Gerade bin ich an St. Maries entlang und habe einen westlichen Kurs abgesteckt, der mich vor das Feuer l’Espiguette bringen soll, das ich aber noch nicht sehen kann. Ich drehe mich nochmal um, und die Lichter von St. Maries sind fast ganz im Nebel verschwunden. Es geht blitzschnell und alles ist in dichtem Nebel. Es brist auf. Eigentlich nicht stark, aber das Wasser scheint zu kochen und alles ist ziemlich unheimlich. Ich befürchte ein Unwetter, die ganze Zeit war schon so eine Feuchte in der Luft. Ich drehe um Richtung Hafeneinfahrt St. Maries (natürlich nicht zu sehen). Beinahe rausche ich auf den Strand. Unglaublicher Nebel mit Böen. Segel runter, Motor an, ich finde die Hafeneinfahrt und gehe in Sichtweite der Einfahrt (falls es ganz dick kommt) vor Anker. Nachdem wieder alles aufgeklart ist, ist der Nebel genauso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Aber ich liege schon gemütlich im Bett und vor Anker ist auch ganz entspannend. Ich bleibe erstmal.

17.7.1993  10 Uhr  769mb
Habe lang geschlafen und jetzt gerade mit Leichtwindgenua abgelegt. Glatte See, Sonne, Dunst.

17.7.1993  14.25 Uhr  769mb
Wie in einer anderen Welt geht es die ganze Zeit langsam aber beständig mit A-Pilot über das diesige glatte Meer. Große Stille. Später immer noch ganz leichter raumer Wind. Genua ausgebaumt und Leichtwind-Genua und Groß: ziemlich flott. Habe die Camargue wieder verlassen. Im Golf bei Grand Motteist es wie auf einem See, lauter Segelboote, immer noch Wolken und Dunst, aber sehr angenehm. Ich habe ein Kissen im Cockpit, und mit dem Rücken zur Fahrtrichtung ziehe ich dahin und lese.

17.7.1993  23.20  769mb
Am Abend blieb der Wind aus. Hinter Palavas vor Anker. Ich schwimme an den Strand (und zurück). Gekocht in Schaukelei: Spargelcremesuppe und sechs Speckknödel (zuviel). Die Fertiggerichte hängen mir ziemlich zum Hals raus. Wenn ich an gutes Essen denke…… Alles ist hier sehr seltsam: die Speckknödel, ein ganz guter Radiosender, aber vor allem, wie ich hier vor Anker liege:

17.7.1993  8.35 Uhr  768mb
Bin gerade aufgewacht. Alles im Nebel. Kein Wind. Was soll das?

18.7.1993  21.40 Uhr  766mb
Es ging dann doch mit sehr leichten und leichten Winden dahin. Aber dieser Nebel ist unglaublich: Sichtweite z.B. an der Küste machmal nur 100m. Man muss gut aufpassen auch wegen der Kollisionsgefahr usw. Vor Cap d’Agde muss ich kreuzen. Der Nebel ist wirklich unglaublich. Jetzt aber hat er sich aufgelöst. Der Wind hat gedreht. Im Moment ein warmer NW ca. 3 Bft. Die Sonne ist gerade untergegangen und ich bin gleich vor Valras Plage. Ruhiges Meer, gute Geschwindigkeit. Von der Küste kommt unerkennbare Musik und die Lichter von Riesenrad und Autoscooter und was es hier so alles gibt. Während ich das hier schreibe, ist Narbonne Plage samt Leuchtfeuer in Sicht gekommen.

19.7.  8.25 Uhr  766mb
Es wurde Nacht und der Wind immer kräftiger mit Böen. Ich probiere verschiedene Reffvarianten, schließlich habe ich zum ersten Mal ein Reff sauber ins Groß eingebunden und es steht hervorragend. Mit viel Schräglage und ungeheuerer Geschwindigkeit schießen wir durch die Nacht, hoch am Wind mit Ölzeugjacke und angeleint. Die Petroleumlampe wird vom Wind ausgeblasen und so leuchtet der Schaum im Halogenlicht der Topplaterne im rauschenden Kielwasser. Wie permantente Gleitfahrt. Hin und wieder kommt etwas Gischt übers Boot. Kaum Wellen, aber doch genug, dass es gegen den Boden schlägt. Ich segele die ganze Nacht durch. Um 5 Uhr früh, es ist noch dunkel, ziehe ich am Cap Leucate vorbei, danach kupple ich den A-Pilot ein und lege mich kurz hin. Ein paar Mal, so alle 10 bis 15 Minuten schaue ich noch hinaus, ob alles ok ist, und so wollte ich eigentlich auch weitermachen, schlief aber ein…. Ich liege im Bett und höre irgendwelche Stimmen. Ich glaube es dauert lang, bis ich den Kopf zum Niedergang rausstrecke – und ich bin noch 10 Meter vorm Strand!

Leichter Wind, auch hatte ich das Groß weggenommen, damit der A-Pilot besser steuern kann. Schlaftrunken drehe ich ab und stehe etwas benommen im Cockpit. Zwei Angler schimpfen, weil ich in ihre Angelschnüre gesegelt bin. Das war kurz nach 8 Uhr und hätte sehr blöd ausgehen können… So, wieder auf richtigem Kurs mit weiterhin leicht raumem Wind. Wo bin ich? Nun, das wird sich schnell rausfinden lassen – die Ausläufer der Pyrenäen sind schon in Sicht.

19.7.1993  15.30 Uhr  765mb
Um 13.20 Uhr Grenze zu Spanien passiert. Quer rüber zum Cabo Creus mit ca. 5 Bft Rückenwind und Wellen nur unter voller Genua. Um 15.30 Uhr Creus gerundet, hier ist es wieder schön ruhig.

19.7.1993  19.10 Uhr  764mb
Ruhig war es nur zwei Minuten, dann ging es an der steilen Felsküste mit den unglaublich harten Böen (wie letztes Jahr) entlang.  Ich bin etwas geschafft und u.a. hungrig, deshalb vor Anker in der Bahia de Roses. 20 Uhr: Habe gekocht und gegessen. Kartoffelpüree und Rote Beete, relativ gut. Fleisch geht mir ungemein ab. Jetzt gibt’s noch einen Tee!

20.7.1993  11.35 Uhr  765mb
Kurz nach halb 5 holte ich den Anker an Deck und segelte los. Ich hatte gleich schlechte Laune. Vor einem ganz leichten Windchen mit alten, hektischen Wellen ging es über die Bucht. Alles klappert und bebt wie wild, dabei ist es doch ganz ruhig draußen. Ich ziehe die Decke über den Kopf (vor allem über die Ohren) und döse. Die Sonne geht auf, verschwindet aber gleich wieder hinter dicken, schwarzen Wolken. Es sieht ziemlich duster aus. Hinter dem Punta Grossa an der Steilküste sind noch ganz ordentliche Wellen bis 2 Meter. Ich hole das Groß runter, damit die Genua bei diesem raumen Wind, 3 Bft, steht. Die Wellen, die von hinten anrollen, flößen doch Respekt ein, vor allem, als zwei hinten ins Cockpit einsteigen. Naja, es schwappt halt ein bisschen was rein. Ich brauche mehr Geschwindigkeit und hisse das Groß und baume die Genua mit meiner Bambusstange auf die andere Seite aus. Etwas später ist der Niedergang ganz zu, ich im Ölzeug und angeleint und es scheint sich rundherum wieder zu beruhigen. Jetzt allerbester Laune. So ein Ölzeug ist vielleicht ein Luxus, fast schade, dass nur wenige Tropfen fallen.

Ab Cabo Begur habe ich wieder ruhige See mit launischem schwachen Wind. Der Himmel ist voller Wolken, aber manchmal scheint die Sonne kurz durch. Bin gerade auf Höhe von Palamos.

21.7.1993  0.10 Uhr  767mb
Mit flauen Winden ging es ja noch relativ gut dahin (bis jetzt). An dieser Küste ab Costa Brava zieht es sich in die Länge bis Barcelona. Wenn ich da an letztes Jahr denke… Spaghetti gekocht. Bei Cutella Gewitter mit Regen, wieder im Ölzeug. Jetzt habe ich leichten Landwind, zwei Petro-Laternen brennen, Musik aus dem Niedergang, A-Pilot, rote Kompassglocke und zwei weisse Blitze, das Feuer von Barcelona in Sicht. Wunderschön.

21.7.193  8.55 Uhr 768mb
Wenig geschlafen, Wenig Wind und ein paar Gewitterböen. Manchmal treiben gelassen manchmal Motor im Regen. In der Früh bin ich leicht genervt. Vor allem aggressive Geräusche nerven, aber jetzt ist die Sonne da, der Regen scheint vorbei, ich habe einen Tee getrunken und bin vor der Hafeneinfahrt von Barcelona.

21.7.193  12.35 Uhr  760mb
Habe am waiting quai der ersten Marina südlich von Castelldefels, wo ich nach meiner Jolle schauen will*, festgemacht. Noch “waite” ich. Um halb 2 festgemacht, Platz 2334 Port Ginesta (so heißt’s hier). Nach einem etwas umständlichen Hantieren mit Leinen, Außenborder, Mooring usw. will ich im nächsten Café relaxen…

23.7.1993 0 Uhr
Das soll die letzte Nacht hier werden. Morgen will ich, wenn alles passt, meine erste richtige Überfahrt antreten. Nach Mallorca, 105sm. Wettervorhersage: Wind aus SO auf SW drehend 3-4 Bft, also eigentlich ungünstig, aber mal schauen. Ich bin im Moment nicht aufgeregt, aber die Vorstellung, kein Land mehr zu sehen, ist für mich sehr, sehr spannend – anspannend? Ein echter Thrill!! Habe frischen Proviant, vor allem Obst, eingekauft und die Rettungsinsel im Cockpit festgelascht. Werde jetzt den Wecker für morgen auf 8 Uhr stellen.

24.7.1993  9.30  769mb
Werde jetzt von Port Ginesta ablegen. Meine erste Standlinie und gleich nach Höhenverfahren. Ich habe zwar noch 35 Minuten gebraucht, aber stimmen könnte es schon. (…) Mittagslänge: zweite Messung verschlafen.

25.7.1993, 8.20 Uhr 765mb
Land in Sicht! Noch ganz im Dunst, große Erleichterung, ich schreibe später.

26.7.1993 Mallorca
Mein Kurs war schon in Ordnung. Nachdem ich Mallorca in Sicht hatte, benötigte ich doch noch ca. 10 Stunden, bis ich in St. Telmo gegenüber der Insel Dragonera in einer Bucht vor Anker gehe. Guter Stimmung und hoch am Wind legte ich von Port Ginesta ab. Meinen Kurs von 170° konnte ich gerade noch anlegen. Am Nachmittag kein Land mehr in Sicht. Das schönste war, als einige Delfine mich begleiteten und ganz dicht vorm Bug schwammen und spielten. Man kann sie noch tief unter Wasser sehen, wenn sie abtauchen. Dann wurde es dunkel. Der Wind hatte schon angefangen zu drehen, 150° konnte ich noch steuern. Mitten in der Nacht ging ich für etwa 2 Stunden auf den anderen Bug. Dann flaute es ab. Ich liess mich treiben, schlief ein wenig. Kein gutes Gefühl mehr.

Am Morgen versuchte ich wieder, eine Standlinie zu bekommen. Die Rechnerei macht eigentlich keine Probleme, aber die Messung auf dem schaukelnden Boot. Direkt unsinnig kommt es mir vor, mit der Stoppuhr genau die Zeit zu nehmen. Ich müsste den Winkel ja von Sekunde zu Sekunde ändern …? Dabei messe ich wahrscheinlich eine Minute später noch den gleichen Winkel…! Schnell baute sich ein kräftiger Wind mit Wellen aus SO auf (später auf NO drehend). Meine Standlinie machte nicht viel Sinn, und ich begann mir Sorgen zu machen, vor allem wegen schlechten Wetters. Den Wetterbericht hatte ich auch nicht so genau verstanden, irgendwo hieß es doch 5-7 Bft. und so, oder? …

Dann kam Land in Sicht und mir ging es sofort gut. Ich war wieder optimistisch. Aufgrund der Höhe der Berge konnte es nur Mallorca sein. Stundenlang begleiteten uns Seevögel, evtl. Wellenläufer, denn zum Starten breiteten sie nur die Flügel aus und liefen gegen den Wind übers Wasser. Jede Menge Fische sprangen immer wieder in die Luft. Ich koche Rühreier. Mit knappen 5 Bft passiere ich am Abend zwischen Dragonera und Mallorca und gehe wie gesagt bei San Telmo vor Anker.

Dann treffe ich Mayo und jetzt sitze ich hier in einem kleinen Paradies in Annie Lennox’ Haus auf einem kleinen Berg mit Sicht über Palma, mit Pool, modernstem Studio, Hunden, Katzen, Schafen, einem Joint und so.. All die berühmten Leute kommen wohl hierher, Schade, das Sade nicht da ist.

30.7.1993, 0.55 Uhr 766mb
Werde jetzt von San Telmo aufbrechen Richtung Ibiza. Wind kommt aus SE, hoffentlich nicht zu viel. Kurs 212-235°, 45 sm.

30.7.1993 10.15 Uhr 766mb
Bis jetzt sehr angenehmes Segeln, SE 2-3 Bft abnehmend. Gerade Ibiza gesichtet, im Dunst erst relativ spät auszumachen. Autopilot steuert fast die ganze Zeit, bisschen geschlafen. Liege im Cockpit und lese Rimbaud.

30.7.1993 14.50 Uhr 766mb
Seit mittags kaum mehr Wind. Der A-Pilot schafft es, zum Teil nur noch mit größter Verfahrgeschwindigkeit, uns auf Kurs zu halten. Leichtwindgenua, eine halbe Stunde Motor. Hitze, wolkenloser Dunsthimmel, Tagomago querab.

30.7.1993 18.35 Uhr 766mb
Mit neuem Wind aus SW kreuze ich in eine kleine touristische Bucht hinter St. Eulalia. Bin hier vor Anker und irgendwie verwirrt!

Und nach 3 Vino Tinto wird alles WUNDER-bar.

1.8.1993, 0.10  769mb
Ich blieb über Nacht in  Cala Llonga, eben dieser letzten Bucht. Morgens am 31.7. ca. 8 Uhr kam stärkerer Wind in die Bucht. Ich lief unter Motor aus und durch ziemliche Kabbelsee am Eingang der Bucht, dann ging es nur mit Genua und bester Laune durch Wind und Wellen, bis ich vor der Marina von Ibiza Ort vor Anker ging und mich selbst quer durch Ort und Marina treiben ließ.

Um 16 Uhr hatte ich genug (Bier und Zigaretten) von allem hier und segelte weiter. Schöne Wellen und (nur noch) angenehmer Wind (gute 3 bis max. 4 Bft). Ungemein schnell komme ich voran, aber das liegt auch daran, dass ich von den Balearen eine (schlechte) Karte mit kleinerem Maßstab habe! Auf der Insel Espalmador bin ich jetzt in einer schönen Bucht mit vielen anderen Yachten vor Anker.

Ich habe gekocht, Tomatencremesuppe mit angerösteter Polenta. Mit dem Selberkochen sollte es irgendwie besser werden – noch schmeckt es in den Restaurants und Bars so viel besser. Das Wasser in einem Kanister ist schlecht geworden, daraufhin habe ich das restliche Wasser bis auf einen -noch guten – Kanister ausgeleert. Ich weiss auch nicht warum, ich Tr… in Genua kein Micropur ins Wasser getan hab.

1.8.1993 23.10 Uhr
Mittags segelte ich nach  Formentera und liege hier vor Cala Sabina vor Anker.

Epilog

Die Reise ging recht abenteurlich weiter über Marina del Este, Gibraltar, nach Marrokko, Tanger, in den Atlantik, nach Casablanca, auf die Kanarischen Inseln Lanzarote, Fuerteventura und schließlich Gran Canaria, Las Palmas und Puerto Mogan, wo ich die gute Leisure 17 nach langen Überlegungen schließlich verkauft habe, um mit einem anderen Boot weiter zu segeln.

Eine Veröffentlichung in Buchform über dieses und weitere Abenteuer ist in Arbeit, ich hoffe, bis Jahresende fertig zu werden.

Egmont M. Friedl

© EMF-Marine 2011

*) Mayo war ein Freund in ungefähr meinem Alter, den ich im Jahr zuvor in Castelldefels bei Barcelona kennengelernt hatte. In diesem vorigen Jahr war ich bis hierher mit einer 3,7 Meter langen, offenen Jolle gesegelt und dieses Boot hatte ich schließlich Mayo geschenkt, weil es sich als unmöglich herausgestellt hatte es in Spanien zu verkaufen. Mayo war eigentlich mehr Surfer als Segler, jedenfalls war sein Vater wiederum so eine Art Hausmeister in einer höchst exklusiven Villa in Mallorca, die Anne Lennox von den Eurythmics gehörte. Mayo verbrachte dort seine Sommer und hatte mich auch eingeladen. Heute könnte ich mich noch dafür in den Hintern beißen, nicht länger dort geblieben zu sein. Sade kam öfters vorbei, Sting und viele andere Berühmtheiten… es war ziemlich cool…

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2 Antworten auf Egmont Friedl: Mit der Leisure 17 von Genua nach Gran Canaria

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  2. Markus sagt:

    der bericht ließt sich klasse wenn das als buch erscheint bin ich mal wieder einer der ersten der das bucht durchgelesen hat denn es verführt zum träumen und selber plahnen hab mir selber gerade eine leisure 17sl über den winter 2010-2011 gekauft und freue mich auf den sommer um damit die ersten erfahrungen zu machen und wer weiß vileicht steht auch mal eine weitere reise damit an sich ist aber das es mein perfectes trailer boot ist um auch weit entfernet ziele erreichen zu können um sie auf eigenem kiel zu erkonden wie zb Kanal-inseln oder auch nord norwegen / die lofoten haben mich schon in den bann gezogen

    würde mich freuen wenn sich andere leisure segler melden die spass am seesegeln haben man kann ja auch für den sommer einen flotillen törn in der dänischen südsee plahnen
    bis dahin es grüßt Markus

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